Die Nutzung Sozialer Medien gehört für große Teile der Bevölkerung zum Alltag. Kommunikation, Information und die Schaffung/Veröffentlichung eigener Beiträge prägen die heutige Mediennutzung. Das verändert auch die Art der politischen Teilhabe in Deutschland. Sie bietet Chancen für politische Partizipation, birgt aber große Risiken durch Desinformation, Algorithmen und Polarisierung, die den offenen und sachlichen gesellschaftlichen Diskurs gefährden.
Niedrigschwelliger Zugang zu politischen Informationen, unkomplizierte Teilhabe beispielsweise über die Teilnahme an Debatten sowie eine mögliche Nähe und Erreichbarkeit der Wähler*innen für Politiker*innen beinhalten Chancen für eine Demokratiestärkung. Dem gegenüber stehen allerdings Gefahren durch Algorithmen und Echokammern, die ungefilterte Weitergabe von Meinungen und Kommentierungen und nicht zuletzt das große Potential für Falschinformationen und gezielte Manipulation.

Forschung
Die Bildungsforschung beschäftigt sich mit der Frage, wie wir Demokratie in Sozialen Medien schaffen können. Einen Einblick in die aktuellen Studienergebnisse gibt Netzwerkwissenschaftler Philipp Lorenz-Spreen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin im Rahmen eines Videobeitrags in der Reihe Campus Talk/ARD alpha. Darin macht er eine Bestandsaufnahme, wie sich der öffentliche Diskurs in den letzten 10-20 Jahren durch die Verbreitung der sozialen Medien messbar verändert hat, und wirft einen Blick in eine mögliche Zukunft mit neu gedachten demokratischen Grundsätzen im Bereich der Sozialen Medien.
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10.08.2026 ∙ Campus Talks ∙ ARD alpha
Gesellschaftliche Kipppunkte: Die Spirale aus Aufmerksamkeit und Plattformmacht und wie wir da noch rauskommen
Interessant auch hierzu der Artikel „Neue Studie: Ungleichheit bei der Teilnahme an politischen Online-Diskussionen verstehen“ von Philipp Lorenz-Spreen. Im Beitrag „Disentangling participation in online political discussions with a collective field experiment“ finden sich detaillierte Informationen.
Große Sorgen, hohe Erwartungen an Politik und Europa
Wie Deutschland auf Social-Media-Plattformen und Messengerdienste blickt
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Juni 2026
Charlotte Freihse, Asena Soydaş, Vivien Benert
Die Studie „Große Sorgen, hohe Erwartungen an Politik und Europa – Wie Deutschland auf Social-Media-Plattformen und Messengerdienste blickt“ untersucht, wie Menschen Social-Media Plattformen und Messengerdienste von Meta, Google, TikTok und Co. wahrnehmen, nutzen und bewerten. Dabei wird deutlich, dass diese Plattformen durchaus kritisch betrachtet werden, gleichzeitig jedoch alltäglich genutzt werden. Im Mittelpunkt der Studie steht die Perspektive der Nutzer*innen und das diese umgebende Spannungsfeld öffentlicher Debatten und Sozialer Medien.
How to Sell Democracy Online (Fast)
Das Progressive Zentrum in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung und gefördert von der Stiftung Mercator (Hrsg.)
Melanie Weiser & Paulina Fröhlich I Pablo Jost & Hannah Fecher, September 2025
Die Studie „How to Sell Democracy Online (Fast)“ macht die hohe Relevanz von Social Media-Kanälen in der Informationsbeschaffung von jungen Menschen deutlich und zeigt gleichzeitig die Lücke auf, die zwischen den Inhalten besteht, die Politik an junge Menschen sendet, und dem, was junge Menschen tatsächlich anspricht und zur Partizipation anregt. Vor diesem Hintergrund will die Studie demokratische Akteur*innen in deren Social-Media-Präsenzen stärken und mit notwendigen Fachkompetenzen unterstützen, um zielgruppengerechtere Informations- und Identifikationsangebote anbieten zu können. Die Studie enthält somit konkrete Handlungsempfehlungen und einen One-Pager „How to sell in a nutshell“.
siehe hierzu auch:
- Demokratie-Studie – Populisten dominieren Social Media
tagesschau.de/Stand: 10.10.2025 • 16:01 Uhr - Politik im Feed: Wie Social Media Demokratie verändert
„Change“ – Magazin der Bertelsmann Stiftung / 13. Februar 2026
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ZUKUNFT GESTALTEN – Der Podcast / Bertelsmann Stiftung, 26.11.2025
Demokratie im Feed – Wie Social Media politische Kommunikation verändert.
Replikationsstudie zum Einfluss von digitalen Medien auf die Demokratie
Max-Planck-Gesellschaft, April 2025
Die Replikationsstudie zeigt und bestätigt, dass digitale Medien einen Einfluss auf die Demokratie haben und zwar überwiegend im negativen Spektrum durch die Begünstigung populistischer Strömungen, einer Verstärkung von Polarisierungsprozessen sowie einer Begünstigung von Misstrauen in demokratische Institutionen. Die Studie weist auf einen Handlungsbedarf hin zwecks Risikominimierung sowie Stärkung demokratischer Potentiale.
Publikationen & Videobeiträge:
Soziale Medien im Spannungsfeld zwischen Demokratisierung und Fragmentierung der Öffentlichkeit
BpB, März 2024
Dr. Merja Mahrt (Referentin für Forschungssynthesen am Weizenbaum-Institut und Privatdozentin an der Freien Universität Berlin)
In ihrem Beitrag geht es um die Ambivalenz der Wirkung Sozialer Medien auf die Gesellschaft, einerseits das Potential zur Förderung demokratischer Beteiligung sowie andererseits die Gefahr der Fragmentierung der Gesellschaft.
Welche sozialen Medien können Demokratie?
CAMPACT, Januar 2026
Gastbeitrag von Friedemann Ebelt (Freier Autor, u.a. zu Frage wie Digitalisierung fair, frei und nachhaltig gelingen kann)
In dem Beitrag spricht Ebelt über seine Beteiligung am „Digital Independence Day“ und welche demokratischen Alternativen zu X, TikTok und Co es gibt.
Weitere Infos zum „Digital Independence Day“ finden sich hier.
Rechtsextreme Codes, Symbole und Zeichen
CAMPACT, August 2026
In dem Beitrag geht es um die Erkennung rechtsextremer Zeichen und Symbole in Musik, Social Media, Diskurs, Mode & Lifestyle und wie man Stellung gegen rechts beziehen kann.
Weitere thematisch passende Artikel zum Thema Medien & Demokratie von CAMPACT finden sich hier.
Das TikTok-Universum der (extremen) Rechten- – Trends, Strategien und Ästhetik in der Social Media-Kommunikation
Bildungsstätte Anne Frank / 2024
Die Publikation befasst sich mit den Zustimmungswerten zur AfD in den Bundestagswahlen 2024 sowie mit der hohen Präsenz rechtsextremer Akteur*innen auf Social Media und deren Folgen auf die Meinungsbildung junger Menschen.
ZDF goes Schule/Themenschwerpunkt Demokratie
Die Folge „Gefährden Insta & Co. unsere Demokratie?“ ist ein interessanter Beitrag zum Themengebiet Social Media und Demokratie. In ihr geht es um die Einschränkung der Sichtbarkeit von politischen Beiträge auf Instagram sowie um weitere Player in diesem Bereich, die in der Kritik stehen, zu großen Einfluss auf politische Inhalte auszuüben. Es geht um die Frage der Macht von Plattformbetreibern auf die öffentliche Meinungsbildung und ob deren Verhalten demokratiegefährdend ist.
Wie Social Media Demokratien gefährdet | WDR Doku 2023:
Worum geht es?
Am Beispiel der Erstürmung des Regierunsgviertels in Brasilien durch Rechtspopulisten wird der Frage nachgegangen, wie es sein kann, dass Social-Media-Plattformen solcherlei Vorgänge puschen und erst zu spät eingreifen mithilfe der Sperrung von beteiligten Konten.
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Social Media: Gefahr für die Gesellschaft? | Agree to Disagree! | ARTE
Worum geht es?
Diese Folge befasst sich mit dem Thema Fake News und geht der Frage nach, ob Informationen in Social Media bewusst falsch dargestellt werden, um politische Manipulation zu befördern. Im Gespräch mit Expert*innen werden unterschiedliche Positionen beleuchtet.
Social Media: Gefahr für die Gesellschaft? | Agree to Disagree! | ARTE
Folge: Spaltet Social Media die Gesellschaft?
Worum geht es?
Im Gespräch mit Dr. Philipp Lorenz-Spreen (Kognitionswissenschaftler) und Dr. Hannah Metzler (Sozialwissenschaftlerin) wird diskutiert, ob Social Media-Plattformen eine Gefahr für die Gesellschaft bedeuten und es einer strengeren Regulierung bedarf, oder ob die Chancen im Vordergrund stehen und es eher um die Vermittlung von Kompetenzen geht.
Welche Macht hat Desinformation? | 42 – Die Antwort auf fast alles | ARTE
Worum geht es?
In diesem Beitrag geht um Deepfakes, Fake News und KI-generierten Inhalten, die die Nutzer*innen vor die schwierige Aufgabe stellen, zwischen Fakten und Manipulation zu unterscheiden. Vor diesem Hintergrund geht es um die Frage, welche Folgen dies für die Gesellschaft und die Demokratie hat.
Ist Social Media ein Problem für die Demokratie? | Gute Frage über Filterblasen, Memes & Fake News
TU Dresden, 2025
Worum geht es?
In diesem Beitrag wird der Frage, ob Social Media ein Problem für die Demokratie darstellt oder auch Chancen mit sich bringt, aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven (Algorithmik, Kommunikationswissenschaften, Kunstgeschichte, politische Bildung) beleuchtet.
Hatespeech & Fake News: Zerstört Social Media unsere Demokratie? I
13 Fragen | ZDFunbubble
Worum geht es?
In diesem Beitrag geht es um das Spannungsfeld in Facebook, Twitter, TikTok & Co. zwischen niedrigschwelliger gesellschaftlicher und politischer Teilhabe und Hasskommentaren und Radikalisierung. Auch wird der Frage nachgegangen, was zu tun ist, um die positiven Aspekte von Social Media zu stärken und sie damit zu demokratisieren.
Auch interessant:
- „In Brasilien wird mit Jair Bolsonaro ein Rechtsextremist neuer Präsident des Landes. Gewonnen hat er die Wahlen im Oktober 2018 nicht zuletzt wegen einer aggressiven, aber auch sehr modernen WhatsApp-Kampagne. Vergleiche mit US-Präsident Donald Trump drängen sich auf. Auch Trump nutzt sehr geschickt die digitalen Medien, um seine Wahrheiten und Fake News unter die Fans zu bringen. Auch die AfD in Deutschland hält ihr Klientel über eigene soziale Netzwerke mit einer ausgereiften Online-Medien-Strategie bei Laune und baut sich abgeschottete digitale Echo-Kammern: Parallelwelten, in denen Fake News und Rechtspopulismus nicht mehr hinterfragt werden.“
Quelle: Digitalisierung · Gefahr oder Chance für die Demokratie?
RESPEKT ∙ ARD alpha, 28.01.2026 - „Welche Macht haben Social-Media-Plattformen? Jochen Breyer recherchiert in der Welt der Tech-Konzerne: Wie beeinflussen Algorithmen unser Denken und Handeln? Algorithmen bestimmen unseren Feed, welche Werbung uns vorgeschlagen wird und wie unsere Aufmerksamkeit gehalten wird – Sie kennen unsere Interessen oft besser, als uns lieb ist.
Wo liegt die Grenze zwischen hilfreicher Personalisierung und gezielter Manipulation? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen haben Algorithmen und wie wirken sich diese politisch aus? Und welche Verantwortungen haben die großen Plattformen? Jochen Breyer ist der Wahrheit über Social Media auf der Spur. Eine besondere erzählerische Ebene schafft Anke Engelke: Als personifizierter Algorithmus – kühl, berechnend, allgegenwärtig – führt sie durch die Mechanismen der digitalen Welt und macht sichtbar, wie sehr der Algorithmus unser Verhalten beeinflusst.“
Quelle: Der Algorithmus: Die unsichtbare Macht über unsere Jugend?, ZDFheuteNachrichten, 07.06.2026 - „Eine Perle der deutschen Innovationskunst: die Litfaßsäule. Seit über hundert Jahren trägt sie tapfer die Plakate von Musikstars, Monstertruck-Shows oder Parteien. Aber die Grand Dame des Marketings hat ein typisch deutsches Problem: die Digitalisierung. Unser Wahlkampf findet inzwischen auch im Internet statt. Und da gibt es keine deutsche Infrastruktur, also verlassen sich die Parteien auf die Social-Media-Plattformen aus den USA oder China. Für die Parteien ist das super, hier können sie personalisierte Wahlwerbung – mit Microtargeting – schalten, anstatt darauf zu hoffen, dass irgendwelche Menschen das halbzerissene Wahlplakat an der Litfaßsäule sehen. Win-win für die Parteien und Plattformen, aber auch für die Wähler*innen?“
Quelle: Wie soziale Medien unseren Wahlkampf beeinflussen | ZDF Magazin Royale, 2025 - „Die sozialen Medien haben die politische Kommunikation verändert. Politische Akteure im Parlament setzen heute zunehmend auf Polarisierung und Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Nur so, glauben sie, können ihre Botschaften viral gehen. Differenzierte Argumente haben es dagegen oft schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Erleben wir eine „TikTokisierung“ der Politik?“
Quelle: Die politische Macht von Social Media: Erleben wir eine „TikTokisierung“? | 3sat NANO, April 2026 - „Wer online aktiv ist, der muss sich immer häufiger die Frage stellen: ist dieser Inhalt echt oder könnte es eine digitale Fälschung sein? Aber wie viele Menschen können diese Frage auch beantworten – und wie gehen sie mit der Unsicherheit um?“
Quelle: Digitalverband warnt vor Schaden für Demokratie durch Desinformation | BR24, Juni 2026
Die aufgeführten Beiträge sind nur eine kleine Auswahl der Veröffentlichungen zum Thema Social Media und Demokratie, zeigen aber sehr gut, dass aktuell das Risikopotential die Chancen und Möglichkeiten überlagert. In einer unruhigen und lauten Welt, die online eben auch nicht nur bunt und friedlich ist, sondern häufig von besonders lauten Stimmen überlagert wird und und in der monetäre Interessen den sozialen Faktor bei weitem übertreffen, zeigt sich ein hoher Bedarf an Gegenstimmen und Gegenwehr.